• Neues Denken statt alter Polemik

    Pressemitteilung
    01.Juli 2017
    München – Man hätte es nicht glauben wollen, aber mit der in dieser Woche durchgeführten „Poster-Car-Aktion Vorfahrt für den ambulanten Bereich“ hat der Vorstand der KVB die von ihm selbst ausgehobenen Gräben in der Ärzteschaft weiter vertieft. Ausgerechnet in München lassen sie Autos mit der Aufschrift "Es gibt tolle Krankenhäuser. Wir sorgen dafür, dass Sie nicht dorthin müssen.“ herumfahren. Nachweislich sucht dort die Mehrheit der Notfallpatienten (rund 60%!) die Notaufnahme der Krankenhäuser auf, nachdem sie ambulant behandelt worden sind. Das entbehrt nicht einer gewissen Ironie und plakatiert den Grad der Verzweiflung.

    Die Zahlen dokumentieren das eigentliche Problem: Die KVB wird ihrem Sicherstellungsauftrag gleich in mehrfacher Hinsicht immer weniger gerecht. Zum einen sinkt die Bereitschaft der niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte, die Dienste zu übernehmen. Da hilft die Zwangsrekrutierung der angestellten Kolleginnen und Kollegen ebenso wenig wie das, zumindest in der derzeit praktizierten Form, qualitativ fragwürdige „Poolmodell“. Zum anderen gelingt es der KVB sichtlich nicht, die Notfallpatienten abzuhalten, Hilfe zuerst in den Krankenhäusern zu suchen. Die lautstark eingeforderten „Umerziehungsmaßnahmen“ greifen in der dienstleistungsorientierten Gesellschaft des 21. Jahrhunderts nicht, es zählt im Wesentlichen Verfügbarkeit.

    Wenn man zudem berücksichtigt, dass die Notfallambulanzen für die betreibenden Kliniken ein durchweg defizitäres Modell sind, muss die Notfallversorgung in Deutschland grundlegend neu organisiert und strukturiert werden. In den Fokus einer flächendenkenden Notfallversorgung gehört die Suche nach einer suffizienten Versorgungsstruktur. Diese sollte als dritte Säule unseres Gesundheitssystems installiert werden, eine qualitativ hochwertige Versorgung auf Facharztstandard gewährleisten und mit einem eigenen Budget versehen werden. Die Zugangshürden, die für elektiv ambulante und stationäre Versorgung sinnvoll sein mögen, können in dieser dritten Säule nicht in gleicher Weise greifen. An der Bewältigung dieser Zukunftsaufgabe sollte die Ärzteschaft gemeinsam arbeiten, anstatt sich über die Verteidigung von Partikularinteressen zu zersplittern. Der Marburger Bund ist zu diesem Neuen Denken bereit.