Einblicke & Interviews

Die Kandidierenden der Liste 2 – Marburger Bund möchten Verantwortung übernehmen und die ärztliche Selbstverwaltung aktiv mitgestalten. In persönlichen Einblicken berichten verschiedene Ärztinnen und Ärzte aus ihrem Berufsalltag und erläutern, wofür sie sich engagieren wollen.
Dr. Kathrin Schawjinski, Schön Klinik Hamburg Eilbek

So erlebe ich meinen ärztlichen Alltag: Mein Beruf macht mir fast jeden Tag Spaß und ich bin dort immer noch genau richtig. Herausfordernd ist dabei jedoch besonders der wirtschaftliche Druck im System, die Arbeitsbedingungen und eine überbordende Bürokratie. 

Dafür will ich mich besonders einsetzen: Da wir auch in der Zukunft gut ausgebildeten ärztlichen Nachwuchs brauchen ist eine strukturierte und fundierte, faire Weiterbildung essenziell. Mich dafür einzusetzen und die Belange meiner jungen Kolleginnen und Kollegen zu vertreten ist mein Herzensthema.

Warum ich Verantwortung übernehme: Durch die bereits genannten aktuell ungünstigen Rahmenbedingungen verlieren wir viele gut ausgebildete Kolleginnen und Kollegen in andere Bereiche. Das können wir uns als Gesellschaft auf Dauer nicht leisten und darum setze ich mich hier für eine Verbesserung unserer Arbeitsbedingungen ein.

Dr. Alexander Schultze, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf

So erlebe ich meinen ärztlichen Alltag: Mein Alltag in einem wirklich tollen Team ist abwechslungsreich, spannend und intensiv, kein Tag ist wie ein anderer. Es geht im Kern darum, Lösungen zu finden für unsere Patientinnen und Patienten an den Schnittstellen zwischen Rettungsdienst, Praxen und Ambulanzen sowie den Stationen. Leider verwalten wir oft den Mangel im System, statt uns auf das Wesentliche, die Behandlung unserer Patientinnen und Patienten, konzentrieren zu können.

Mein wichtigstes Thema: Die strukturelle Entlastung der Notaufnahmen durch eine echte Steuerung der Patientenströme und Abbau von irrsinnigen Regelungen und Bürokratie, auch mithilfe von technischen Lösungen, die wirklich hilfreich sind.

Warum ich Verantwortung übernehme: Demokratie lebt vom Mitmachen. Es gibt so vieles, was anders sein sollte. Von alleine wird nichts besser. Es kann nur gelingen, wenn wir alle gemeinsam konsentieren, was wir ändern wollen und es dann auch anpacken. Schritt für Schritt.

Dr. Sinef Yarar-Schlickewei, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf

So erlebe ich meinen ärztlichen Alltag: Ich arbeite jeden Tag sehr gerne als Unfall- und Handchirurgin, um unsere Ziele zu erreichen: Ausgezeichnete Medizin, gute Lehre und nachhaltige Wissenschaft. Doch die zunehmenden Herausforderungen und Hürden durch administrative Tätigkeiten, Mehrfachdokumentationen und logistische Abläufe erschweren dies erheblich.

Das ist mir wichtig: Gleichstellung und Chancengleichheit sind nicht nur aus ethisch-moralischer Sicht geboten. Ich bin überzeugt, dass durch den Abbau überholter Hierarchien und durch fairen Wettbewerb mehr Kompetenz und zielgerichtet eingesetzte Energie zur Geltung kommen.

Warum ich Verantwortung übernehme: Ich möchte als Unfall- und Handchirurgin selbstwirksam tätig sein und meine Arbeit aktiv mitgestalten und mitbestimmen. Zugleich ist es mir ein Anliegen, dass nachhaltige Arbeitsbedingungen geschaffen werden, die den Beruf auch künftig für viele Medizinstudierende attraktiv und lohnenswert machen. 

Dr. Niklas Karsten, Asklepios Klinik Nord

So erlebe ich meinen ärztlichen Alltag: Mangelnde Digitalisierung und hohe Arbeitsdichte machen den Arbeitsalltag oft anstrengend und herausfordernd. Gleichzeitig ist die Arbeit im Team bereichernd und motivierend.

Das ist mir wichtig: Das Gesundheitssystem hat die Bedürfnisse und Belange unserer kleinen Patientinnen und Patienten nicht ausreichend im Blick. Finanzielle und strukturelle Benachteiligungen müssen abgeschafft werden.

Dafür will ich mich besonders einsetzen: Ich engagiere mich berufspolitisch, um die Perspektiven und Erfahrungen von Ärztinnen und Ärzten in Weiterbildung noch stärker in gesundheitspolitische Prozesse einzubringen. Entscheidend sind für mich dabei Solidarität und eine vertrauensvolle Zusammenarbeit auf Augenhöhe.

Dr. Angelika Kossmann, im Ruhestand

So erlebe ich meinen ärztlichen Alltag: Mein langjähriges Engagement in den Gremien der Ärztekammer Hamburg und auf Deutschen Ärztetagen haben mir gezeigt, wie wichtig und erfolgreich die Arbeit in unserer Selbstverwaltung sein kann. Die ehrenamtliche Arbeit von Ärztinnen und Ärzten ist dabei unverzichtbar, denn sie bringen die Kenntnisse des Praxisalltags dort ein.

Das ist mir wichtig: Meine bisherige Arbeit im Verwaltungsausschuss unseres Versorgungswerkes und als Ärztin für Transfusionsmedizin im Fachgremium Hämotherapie möchte ich gerne fortsetzen. 

Warum ich Verantwortung übernehme: Die Mehrheit der berufstätigen Kammermitglieder arbeiten als Angestellte oder Beamte in Kliniken, Praxen, MVZ und Ämtern. Nur die Delegierten des Marburger Bundes können diese Mehrheit adäquat vertreten, und auch die ärztlichen Belange der Niedergelassenen, wegen der professionellen Unterstützung des MB als starke gewerkschaftliche und berufspolitische ärztliche Organisation.

Dr. Gregor Pagel, Bundeswehrkrankenhaus

So erlebe ich meinen ärztlichen Alltag: Neben meiner ärztlichen Tätigkeit bin ich Sanitätsoffizier der Bundeswehr. Beide Aufgaben haben eines gemein: Medizin gelingt nur im Team, mit klaren Strukturen und einer guten Ausbildung. Die Möglichkeit im Rahmen meiner Weiterbildung an verschiedenen Hamburger Partnerkliniken tätig gewesen zu sein, hat mir gezeigt, wie sehr strukturierte Rotationen die fachliche Entwicklung fördern und zugleich neue Perspektiven auf Versorgung und Zusammenarbeit eröffnen.

Das ist mir wichtig: Ein starkes Gesundheitssystem braucht eine starke Weiterbildung. Als Sanitätsoffizier habe ich erlebt, dass Verantwortung nicht erst im Einsatz beginnt, sondern bereits in der Ausbildung – diesen Gedanken möchte ich auch in die Berufspolitik tragen.

Warum ich Verantwortung übernehme: Täglich erlebe ich, wie engagierte Kolleginnen und Kollegen unter großem Einsatz Weiterbildung, Patientenversorgung und Bürokratie miteinander vereinbaren. Ich möchte dazu beitragen, dass Weiterbildung als strategische Investition in die Qualität und Zukunftsfähigkeit unseres Gesundheitssystems verstanden wird – nicht als nachrangiger Kostenfaktor. Dafür möchte ich Verantwortung übernehmen und die Perspektive junger Fachärzte aktiv in die Berufspolitik einbringen. 

Dr. Dr. Sonja Semmusch, Albertinen Krankenhaus

So erlebe ich meinen ärztlichen Alltag: Ich schätze an meinem Beruf den täglichen Austausch mit Patientinnen und Patienten sowie mit Kolleginnen und Kollegen. Jeder Tag bringt wieder neue Herausforderungen mit sich, und kein Tag gleicht dem anderen. Das bedeutet aber gleichzeitig auch ein hohes Maß an Verantwortung, Arbeitsbelastung und erfordert große Flexibilität. 

Das ist mir wichtig: Aufgrund meiner persönlichen Situation als Ärztin in Weiterbildung und als Mutter ist es mir ein besonderes Anliegen, eine fundierte Weiterbildung sowie die Vereinbarkeit von Familie und Beruf in der Medizin weiterzuentwickeln. 

Warum ich Verantwortung übernehme: Jede und jeder Einzelne trägt eine Verantwortung, hat aber auch die Möglichkeit, unseren Berufsstand zu formen, an die Anforderungen der Zeit anzupassen und persönliche Aspekte einfließen zu lassen. Gerade die Eindrücke der Ärztinnen und Ärzte in Weiterbildung sind vielfach unterrepräsentiert, obwohl junge Kolleginnen und Kollegen in jedem Ausschuss explizit willkommen sind. Und deshalb möchte mich mit meiner Stimme einbringen.  

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