Johna sprach von einem „Stresstest ohne Sicherheitsnetz“ für das Gesundheitssystem. Gleichzeitig würden die beschlossene Krankenhausreform, der vorgesehene Umbau der ambulanten Versorgung und die geplante Notfallreform tiefgreifende Veränderungen auslösen, während dem Gesamtsystem erhebliche Finanzmittel entzogen würden. Die geplanten Einsparungen bei Leistungserbringern würden laut Bundesgesundheitsministerium bis 2030 auf mehr als 30 Milliarden Euro anwachsen. „Kürzungen bei den Leistungserbringern sind kein abstraktes Problem – sie haben ganz konkrete Folgen für die Versorgung von Patientinnen und Patienten“, sagte Johna.
Zugleich warnte Johna vor Versorgungslücken insbesondere im ländlichen Raum. Die geplante Notfallreform dürfe nicht dazu führen, dass Patienten „wie Pakete hin- und hergeschickt“ würden, damit der Abrechnungslogik Genüge getan werde. Auch die geplante Ausweitung von Fallprüfungen durch den Medizinischen Dienst in den Krankenhäusern führe zu mehr Bürokratie und binde ärztliche Arbeitszeit. „Wir verschieben Ressourcen – weg von der Versorgung, hin zur Kontrolle. Dadurch wird kein einziger Patient diagnostiziert oder behandelt. Kontrolle ersetzt keine Versorgung, sie blockiert sie“, betonte Johna.
„Die angekündigten Reformen treffen auch die Kliniken in Schleswig-Holstein in einer Phase, in der viele Häuser personell und wirtschaftlich bereits am Limit arbeiten“, sagte Michael Wessendorf, Vorsitzender des Marburger Bundes Schleswig-Holstein. „Wenn gleichzeitig Leistungen gekürzt, Bürokratie ausgeweitet und zusätzliche Strukturveränderungen umgesetzt werden, wächst die Gefahr, dass die medizinische Versorgung insbesondere außerhalb der Ballungsräume weiter unter Druck gerät. Wir brauchen Reformen mit Augenmaß – nicht ein Sparprogramm, das die Beschäftigten zusätzlich belastet und die Patientenversorgung gefährdet.“
Sorge äußerte der Marburger Bund zudem über die Arbeitsbedingungen des ärztlichen Nachwuchses. Laut einer aktuellen Befragung denke bereits ein Drittel der Medizinstudierenden im Praktischen Jahr darüber nach, die kurative Medizin wieder zu verlassen.
