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  • Für Milliarden-Investitionen braucht man verlässliche Daten

    Pressemitteilung
    Susanne Johna: Umfrage des Landkreistages zum Personalbedarf im ÖGD ist undifferenziert und oberflächlich
    17.Juli 2020
    Der Marburger Bund fordert die Länder auf, statistische Daten zum Personalbestand im Öffentlichen Gesundheitsdienst (ÖGD) systematisch zu erfassen und zusammenzuführen.
    Dr. Susanne Johna, 1. Vorsitzende des Marburger Bundes
    Dr. Susanne Johna, 1. Vorsitzende des Marburger Bundes

    „Die verfügbaren Angaben zum Personalbestand im Öffentlichen Gesundheitsdienst sind lückenhaft und wenig aussagekräftig. Die aktuelle Umfrage des Deutschen Landkreistages zur personellen und digitalen Ausstattung von Gesundheitsämtern fügt sich nahtlos in dieses Schema ein“, erklärte Dr. Susanne Johna, 1. Vorsitzende des Marburger Bundes.

    Die Erhebung des Landkreistages sei undifferenziert und deshalb ungeeignet, dem Bund und den Ländern bei der Verwendung von vier Milliarden Euro im Rahmen des Paktes für den Öffentlichen Gesundheitsdienst eine Hilfe zu sein. „Eine Milliarden-Investition sollte auf verlässlicher Grundlage erfolgen. Davon ist die Umfrage des Landkreistages zur Personalsituation im ÖGD weit entfernt“, monierte Johna.

    So werde in der Umfrage nicht zwischen Teilzeit- und Vollzeitstellen unterschieden. Auch falle die Qualifikation der Beschäftigten völlig unter den Tisch. Ebenso wenig spiele die Altersentwicklung im ÖGD eine Rolle. „Wer auf derart oberflächliche Weise versucht, den Personalbedarf des Öffentlichen Gesundheitsdienstes zu ermitteln, will sich den tatsächlichen Problemen nicht stellen. Es macht eben einen Riesenunterschied, ob Vollzeit- oder Teilzeitstellen besetzt sind. Und es ist gerade für die Zukunftsplanung entscheidend, ob erfahrene Ärztinnen und Ärzte mit entsprechender Facharztqualifikation in den Ämtern arbeiten oder diese Qualifikation nicht vorhanden ist“, sagte Johna.

    Der Landkreistag will auch nicht genau wissen, wie groß die Gehaltsunterschiede zu anderen Bereichen des Gesundheitswesens sind. Ihm genügt schon die Angabe „tarifliche Bezahlung“. „Es gibt für die Ärztinnen und Ärzte im Öffentlichen Gesundheitsdienst keinen eigenen Tarifvertrag. Für die Arbeitgeber sind sie lediglich Teil des Verwaltungskörpers, obwohl sie ein breites Spektrum an ärztlichen Aufgaben auch in der Gefahrenabwehr und Prävention zu leisten haben, die eine hohe Verantwortung erfordern, wie sich gerade jetzt in der Corona-Krise sehr deutlich gezeigt hat. Den dringend benötigten Ärztenachwuchs wird man nicht mit dem Versprechen gewinnen, die Gehälter vorübergehend mit ein paar Zulagen aufzustocken. Ohne eine verlässliche, arztspezifische tarifvertragliche Absicherung, wie sie in Krankenhäusern und im Medizinischen Dienst der Kassen längst gang und gäbe ist, lässt sich für diesen wichtigen Bereich der Versorgung kein ärztliches Personal gewinnen. Umso unverständlicher ist es, dass die Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände Tarifgespräche ablehnt, kritisierte die MB-Vorsitzende.