Marburger Bund: Gesundheitsreformen sind „Stresstest ohne Sicherheitsnetz“

Pressemitteilung
Auftakt der 147. Hauptversammlung in Hannover
09.Mai 2026
Der Marburger Bund warnt vor massiven Einschnitten im Gesundheitswesen durch die geplanten Reformen der Bundesregierung. In ihrem Lagebericht zum Auftakt der 147. Hauptversammlung des größten deutschen Ärzteverbandes in Hannover kritisierte die 1. Vorsitzende Susanne Johna insbesondere das geplante GKV-Beitragsstabilisierungsgesetz als „Spardiktat zulasten von Patienten und Beschäftigten“.
147. Hauptversammlung des Marburger Bundes in Hannover
147. Hauptversammlung des Marburger Bundes in Hannover

Johna sprach von einem „Stresstest ohne Sicherheitsnetz“ für das Gesundheitssystem. Gleichzeitig würden die beschlossene Krankenhausreform, der vorgesehene Umbau der ambulanten Versorgung und die geplante Notfallreform tiefgreifende Veränderungen auslösen, während dem Gesamtsystem erhebliche Finanzmittel entzogen würden. Die geplanten Einsparungen bei Leistungserbringern würden laut Bundesgesundheitsministerium bis 2030 auf mehr als 30 Milliarden Euro anwachsen. „Kürzungen bei den Leistungserbringern sind kein abstraktes Problem – sie haben ganz konkrete Folgen für die Versorgung von Patientinnen und Patienten“, sagte Johna.

Zugleich warnte Johna vor Versorgungslücken insbesondere im ländlichen Raum. Die geplante Notfallreform dürfe nicht dazu führen, dass Patienten „wie Pakete hin- und hergeschickt“ würden, damit der Abrechnungslogik Genüge getan werde. Auch die geplante Ausweitung von Fallprüfungen durch den Medizinischen Dienst in den Krankenhäusern führe zu mehr Bürokratie und binde ärztliche Arbeitszeit. „Wir verschieben Ressourcen – weg von der Versorgung, hin zur Kontrolle. Dadurch wird kein einziger Patient diagnostiziert oder behandelt. Kontrolle ersetzt keine Versorgung, sie blockiert sie“, betonte Johna.

Sorge äußerte der Marburger Bund zudem über die Arbeitsbedingungen des ärztlichen Nachwuchses. Laut einer aktuellen Befragung denke bereits ein Drittel der Medizinstudierenden im Praktischen Jahr darüber nach, die kurative Medizin wieder zu verlassen.