Gemeinsam für eine Notfallversorgung aus einer Hand

14.03.2018 – Auf seinem Fach- und Praxisforum zum Thema Notfallversorgung hat der Marburger Bund für mehr Zusammenarbeit zwischen Krankenhäusern und niedergelassenen Ärzten geworben. „Die Probleme in der Notfallversorgung lassen sich nur gemeinsam lösen – in ärztlicher Kooperation über die Sektorengrenzen hinweg. Die medizinische Entscheidungshoheit über die jeweils angemessene Notfallversorgung ist Sache der Ärzteschaft und sollte von allen Beteiligten auch so verstanden werden“, sagte Dr. Susanne Johna, Bundesvorstandsmitglied des Marburger Bundes und Vorsitzende des Marburger Bundes Hessen, zum Auftakt der Veranstaltung.

Wenn es gelänge, bei der Versorgung von Notfallpatienten die Sektorengrenzen zu überwinden und gemeinsame Lösungen zu finden, sei auch in anderen Bereichen integratives Handeln im Interesse der Patienten leichter möglich. „Krankenhäuser und Kassenärztliche Vereinigungen sollten sich nicht als Konkurrenten begreifen, sondern als Mitgestalter der zukünftigen Versorgung aus einer Hand“, betonte Johna.

Es sei ermutigend, dass die neue Bundesregierung integrative Leitstellen und gemeinsame Notfallzentren zu gesundheitspolitischen Prioritäten erklärt habe. Auch der jüngste Vorstoß des Landes Schleswig-Holstein zur Verbesserung der sektorenübergreifenden Zusammenarbeit im ärztlichen Notdienst gehe in die richtige Richtung. Der in den Bundesrat eingebrachte Gesetzesantrag sieht vor, dass in begründeten Ausnahmefällen eine ambulante Versorgung in den gemeinsamen medizinischen Anlaufstellen auch während der Sprechstundenzeiten niedergelassener Ärzte erfolgen könne. Umfragen von Krankenhausgesellschaften legen nahe, dass rund die Hälfte der Patienten in die Notaufnahmen der Krankenhäuser kommt, wenn Haus- und Fachärzte ihre Sprechstunden abhalten.

„Die Politik ist aufgefordert, die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass die Rufnummer des vertragsärztlichen Notdienstes 116 117 mit der Notfallnummer 112 zusammengeschaltet und auch tagsüber erreicht werden kann. Es muss ein IT-gestütztes Ersteinschätzungssystem entwickelt werden, das nicht nur am Telefon, sondern im gesamten Bereich der Notfallversorgung eingesetzt werden kann“, forderte Johna.

Der Anspruch eines jeden Patienten auf qualitativ hochwertige Behandlung zu jeder Zeit und an jedem Ort sei durchgehend und unabhängig von der jeweiligen Versorgungsebene sicherzustellen. „Ziel der Neustrukturierung der Notfallversorgung muss es sein, die Notaufnahmen so zu entlasten, dass die dort tätigen Ärztinnen und Ärzte sich um die Patienten kümmern können, die eine rasche Behandlung durch das Krankenhaus tatsächlich benötigen.“

Johna wandte sich zugleich gegen Forderungen der Krankenkassen, die Anzahl der Krankenhäuser drastisch zu reduzieren. „Die Grippewelle hat gezeigt, wie schnell selbst größere Krankenhäuser an ihre Belastungsgrenzen kommen. Das sollte allen eine Mahnung sein, die stationäre Strukturen pauschal in Frage stellen. Wir dürfen es nicht zulassen, dass im Notfall keine Betten in den Krankenhäusern mehr vorhanden sind“, sagte Johna.

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