In Kürze startet die bundesweite Umfrage des Marburger Bundes zu Machtmissbrauch und sexueller Belästigung am Arbeitsplatz. Ihre Teilnahme trägt dazu bei, Missstände sichtbar zu machen und Veränderungen anzustoßen. Wenden Sie sich diesbezüglich bitte an den für Sie zuständigen Landesverband.
Die Medizin hat ein Führungsproblem – das zeigt die Mitgliederbefragung des Marburger Bundes Hamburg, die am 15. September im Rahmen der MB-Podiumsdiskussion vorgestellt wurde. Zwischen dem 7. und 25. Juli nahmen rund 500 Ärztinnen und Ärzte an der Umfrage zu Machtstrukturen und Führungskultur in Hamburger Kliniken teil.
„Die Machtstrukturen in Kliniken sind ungesund. Kaum eine andere Branche ist durch eine so starke Machtkonzentration bei gleichzeitiger Abhängigkeit von Vorgesetzten geprägt. Das schafft einen Nährboden für Machtmissbrauch – eine Realität, die wir auch in Hamburg nur zu gut kennen“, sagt Dr. Pedram Emami, 1. Vorsitzender des Marburger Bundes Hamburg. „Wir brauchen mehr Transparenz bei Stellenbesetzungen, Vielfalt in Führungspositionen und eine kooperative Arbeitskultur, die auch für die junge Ärztegeneration attraktiv ist.“
Laut Umfrage erleben die meisten Ärztinnen und Ärzte die Hierarchien in ihrem Arbeitsumfeld als machtzentriert, erschwerend für Teamarbeit und Eigeninitiative und hinderlich für Innovation und Vielfalt. Das spiegeln auch zahlreiche Freitext-Kommentare wider, die von „täglichem Pöbeln und Beschimpfen durch die Führungsebene“ berichten, von fehlender Kommunikation auf Augenhöhe oder von einer manifestierten Abhängigkeit durch starre Hierarchiestrukturen – vor allem während der fachärztlichen Weiterbildung.
Die Führungskultur in Bayerns Kliniken steht auf dem Prüfstand – das zeigt eine aktuelle Blitzumfrage des Marburger Bundes Bayern, an der sich mehr als 2.200 bayerische Ärztinnen und Ärzten beteiligt haben. Das Ergebnis ist eindeutig: Machtmissbrauch, Intransparenz und Diskriminierung gehören für viele zum beruflichen Alltag.
„Die Medizin hat ein Führungsproblem – und das betrifft alle Ebenen“, sagt Dr. Andreas Botzlar, Vorsitzender des MB Bayern. „Fast neun von zehn Ärztinnen und Ärzten haben Machtmissbrauch oder ungerechtfertigte Einflussnahme erlebt oder beobachtet. Das ist so nicht hinnehmbar. Wir brauchen endlich moderne, teamorientierte Führungsstrukturen – weg vom überkommenen Chefarztsystem, hin zu mehr Kooperation und Fairness.“
Immer wieder hören wir in der Jungen Kammer, im Arbeitskreis Ärztinnen und im Jungen Forum MB Saar von Situationen, die in einer gleichberechtigten Arbeitswelt eigentlich nicht tragbar sind, aber sich dennoch tagtäglich in Klinik und Praxis ereignen. Unabhängig vom Alter, vom Geschlecht und vom Arbeitsort passieren durch Vorgesetzte und Kolleg*innen verbale Angriffe, die Gleichstellung und Gleichwertigkeit von Ärzt*innen infrage stellen. Wir haben daher eine Zitatesammlung begonnen, in der wir solche verbalen Angriffe aus dem Arbeitsleben darstellen und regelmäßig veröffentlichen wollen. Wir wollen mit der Aufführung dieser sexistischen, diskriminierenden und verletzenden Äußerungen auf die immer noch unbefriedigenden Zustände in Sachen Gleichbehandlung von Männern und Frauen im Gesundheitswesen aufmerksam machen!
