„Zehntausende Ärztinnen und Ärzte haben in acht Jahrzehnten auf Borkum ihr Wissen erweitert und wertvolle Netzwerke aufgebaut“, bilanzierte Hugo Van Aken weiter. Borkum unterstreiche die Bedeutung hochwertiger medizinischer Fortbildung eindrucksvoll. Hier werde hochkarätige fachliche Weiterbildung mit dem einzigartigen Ambiente der Nordseeinsel kombiniert, begleitet von einem interessanten Rahmenprogramm.
„Borkum ist aktuell geblieben. Borkum ist immer auf dem Stand der Zeit“, unterstrich der westfälisch-lippische Kammerpräsident Dr. med. Hans-Albert Gehle. „Borkum wollen wir immer weiterführen. Hier treffen wir nicht nur auf viel Fachliches. Schon mit der Fahrt auf der Fähre nach Borkum merken wir, wie sich unsere Köpfe entspannen - ein wunderbares Gefühl. Auf Borkum nehmen wir uns dann Zeit. Wir hören den anderen besser zu.“
Es sei Zeit, auch den Borkumern Dank zu sagen. „Wir haben hier immer das Gefühl stets und überall herzlich willkommen zu sein. Auf Borkum erleben wir, was unbezahlbar ist, was nicht planbar ist - wir schenken uns Vertrauen. Das Vertrauen ist das Geschenk der Menschen für die Menschen. Das Vertrauen - damit gehen wir Ärztinnen und Ärzte tagtäglich um – ob im Sprechzimmer, am Krankenbett, im Krankenhaus oder im Gesundheitsamt. Wir bringen dieses Vertrauen unseren Patienten täglich entgegen.
Aber wir erleben auch fast täglich, dass gerade in der Gesundheitspolitik derzeit sehr viel dafür getan wird, das Vertrauen in die Ärztinnen und Ärzte im Gesundheitswesen zu schwächen und manchmal auch zu zerstören“, mahnte Dr. Hans-Albert Gehle. „Wir selber müssen deshalb immer wieder öffentlich klarstellen, dass wir das Vertrauen, das uns die Patienten schenken, dafür wahrnehmen, um den Menschen zu dienen. Auch mit unserer Fortbildung auf Borkum rechtfertigen wir das Vertrauen in uns.“
„80 Jahre, was für eine beeindruckende Zeit. Generationen von Kolleginnen und Kollegen haben sich hier weitergebildet. Borkum heißt, neues Wissen von Kolleginnen und Kollegen zu lernen, den Dialog mit anderen Ärztinnen und Ärzten zu führen und suchen. Verschiedene Fachrichtungen lernen voneinander: Kliniker von Niedergelassenen und andersrum. Borkum ist eine Austausch- und Diskussionsplattform“, skizzierte Dr. med. Dirk Spelmeyer, Vorstandsvorsitzender der KVWL.
Borkum sei kein Idealbild einer Fortbildungswoche: „Ich denke, Borkum hat nach 80 Jahren bewiesen, kein Idealbild zu sein, sondern einfach die Realität. Dafür danke ich Ihnen ganz herzlich.“
Zweifellos stelle die Weiterbildungsordnung einen Rahmen für Ärztinnen und Ärzte dar. „Aber, ich glaube, Borkum ist noch etwas ganz Anderes. Es ist die anerkannte Freiwilligkeit. Wir erkennen an, dass es ständig neue wissenschaftliche Erkenntnisse gibt, die wir zu verarbeiten haben. So können Behandlungen verbessert oder sogar komplett ersetzt werden. Wir sehen im Moment zudem einen enormen technischen Fortschritt. Vergessen wir auch nicht, wir wollen Fehler in unserer Behandlung vermeiden“, betonte Dirk Spelmeyer weiter.
„Es gibt eine große Herausforderung bei den vorherrschenden politischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, unter denen wir arbeiten müssen, die wir in den nächsten Wochen und Monate zusammen bewältigen müssen. Neben den laufenden Reformen stehen die Vorschläge der Finanzkommission Gesundheit. 66 Maßnahmen zur Einsparung im Gesundheitssystemen wurden vorgelegt. 42,3 Milliarden Euro sollen in den nächsten Jahren gespart werden.
Eine unglaubliche Zahl, sowohl bei der Bevölkerung, als auch in Krankenhäusern soll gespart werden, aber auch bei Ihnen. Ich muss versuchen, ein finanzielles Unheil abzuwenden. 255 Millionen Euro sollen alleine im nächsten Jahr im niedergelassenen Bereich eingespart werden. Das wird und muss Auswirkungen auf die Patientenversorgung haben und ich hoffe, dass die Politik unsere berechtigte Kritik wahrnimmt. Aber nicht nur niedergelassene Kollegen sind von diesen Sparmaßnahmen betroffen, auch die Krankenhäuser, die Psychotherapeuten, deren Gehälter bereits um 4,5 Prozent in diesem Jahr gekürzt worden sind."
Und was für mich voll irritierend ist, ist die Tatsache, dass wir nicht zunächst eine Strukturform gemacht haben und dann erst eine Finanzreform. Das wäre sicherlich besser geworden. Bei dieser Art - mit diesen Einsparsummen - wird die Motivation der Ärztinnen und Ärzten, wo immer sie arbeiten, nicht gestärkt werden.“
Einen unterhaltsamen Schlusspunkt setzte bei der Eröffnung Dr. med. Dipl.-theol. Manfred Lütz. Der bekannte Arzt, Psychiater, Psychotherapeut, Psychoanalytiker, Philosoph und Autor widmete sich dem Thema „Wie Sie unvermeidlich glücklich werden“. Ein glänzender Aufritt - in bekannt humorvoller und satirisch zugespitzte Art.
