„Der Marburger Bund stellt seit 25 Jahren den Präsidenten der Landesärztekammer und trägt in den meisten Bezirksärztekammern sowie im Vorstand der Landesärztekammer Verantwortung. Diese starke Position ist jedoch angesichts veränderter politischer Mehrheiten und neuer Bündnisse im niedergelassenen Bereich nicht mehr selbstverständlich“, warnte Dr. Claus Beermann.
Er verdeutlichte, dass der Marburger Bund die einzige Organisation sei, die die Interessen der angestellten Ärztinnen und Ärzte konsequent vertrete. Obwohl diese die größte Gruppe innerhalb der Ärzteschaft bildeten, spiegele sich ihre Zahl nicht ausreichend in der früheren Wahlbeteiligung wider. „Gerade deshalb ist es wichtig, dass sich insbesondere junge Ärztinnen und Ärzte sowie Kolleginnen und Kollegen in Weiterbildung an dieser Wahl aktiv beteiligen.“
Dr. Beermann warb dafür, Berührungsängste gegenüber den Ärztekammern abzubauen. „Durch die Abgabe der beiden Stimmen für die Wahl der Delegierten der Vertreterversammlungen der Landesärztekammer und der jeweiligen Bezirksärztekammer bietet sich jedem Kammermitglied die Chance, die berufspolitische Entwicklung aktiv mitzugestalten.“
Sein Appell: „Nur, wenn sich möglichst viele Kolleginnen und Kollegen an der Wahl beteiligen und ihre Stimmen abgeben, kann der Marburger Bund auch künftig eine starke Ärztekammer im Sinne der angestellten Ärztinnen und Ärzte gestalten.“
Krankenhäuser stärken und Ärzteschaft mobilisieren
Der amtierende Präsident der Landesärztekammer Rheinland-Pfalz, Dr. med. Günther Matheis, hat die Ärzteschaft zu einem geschlossenen Engagement für die kommenden Kammerwahlen aufgerufen. Angesichts der schwierigen Lage der Krankenhäuser betonte er die Notwendigkeit einer verlässlichen Finanzierung, insbesondere für Kliniken im ländlichen Raum. Steigende Kosten, Fachkräftemangel und immer höhere Anforderungen belasteten die Einrichtungen zunehmend.
Zugleich forderte Dr. Matheis nachhaltige Reformen zur Stabilisierung der gesetzlichen Krankenversicherung und die vollständige Finanzierung versicherungsfremder Leistungen aus Steuermitteln. Mit Blick auf die Kammerwahl warb er für einen starken Marburger Bund. Nur wenn sich insbesondere angestellte Ärztinnen und Ärzte aktiv beteiligten und wählen gingen, könne ihre Interessenvertretung in den Gremien der Ärztekammer auch künftig gesichert werden. „Dr. Claus Beermann ist durch seine jahrzehntelange berufspolitische Erfahrung für das Amt des neuen Präsidenten hervorragend geeignet“, betonte Dr. Matheis.
Planungssicherheit für Krankenhäuser
Der Spitzenkandidat des Marburger Bundes im Bezirk Koblenz, Olaf Smago, hat sodann die anhaltende Unsicherheit rund um die Krankenhausreform scharf kritisiert. „Solange zentrale Gesetze wie das Krankenhausanpassungsgesetz oder die Notfallreform nicht verabschiedet sind, fehlt den Kliniken jede verlässliche Planungsgrundlage.“ Gleichzeitig schreite der Strukturwandel mit Insolvenzen, Standortschließungen und Personalverlusten ungebremst voran.
Besonders Rheinland-Pfalz sei davon überdurchschnittlich betroffen. Smago warnte vor den Folgen für die medizinische Versorgung und die Beschäftigten in den Krankenhäusern. Der Marburger Bund müsse seine Mitglieder in dieser schwierigen Phase noch stärker begleiten – etwa bei Fragen zu Insolvenzen, Weiterbildung und Arbeitsbedingungen. „Wir können nur mit einer aktiven berufspolitischen Interessenvertretung die Situation der angestellten Ärztinnen und Ärzte in den politischen Entscheidungsprozessen stärken.“
Ärzteversorgung ist solide aufgestellt
Michael Kupp, Vorsitzender des Verwaltungsrates der Versorgungseinrichtung der Bezirksärztekammer Koblenz, hat das Versorgungswerk als finanziell stabil und verlässlich dargestellt. Vor dem Hintergrund negativer Schlagzeilen über einzelne berufsständische Versorgungswerke betonte er, dass die Koblenzer Einrichtung strengen gesetzlichen Vorgaben, einer kontinuierlichen staatlichen Aufsicht sowie umfassenden internen und externen Kontrollen unterliege.
„Anders als in einigen bekannt gewordenen Fällen risikoreicher Einzelinvestitionen setzt unsere Versorgungseinrichtung auf breit gestreute Kapitalanlagen und klare Anlagerichtlinien. Wertberichtigungen im Immobilienbereich haben keine Auswirkungen auf Renten oder Rentenanpassungen.“ Dr. Kupp zeigte sich überzeugt, dass Entwicklungen wie bei der Berliner Zahnärzteversorgung mit massiven Vermögensverlusten unter den bestehenden Kontrollmechanismen in Koblenz nicht möglich seien.
Herausforderung in der Weiterbildung
Weiterbildung ist das Kerngeschäft der Ärztekammern. Der Spitzenkandidat des Marburger Bundes für das Amt des Präsidenten der Landesärztekammer Rheinland-Pfalz, Dr. med. Claus Beermann, sieht die ärztliche Weiterbildung vor großen Herausforderungen.
„Ziel muss es sein, auch künftig Fachärzte mit der bestmöglichen Qualifikation auszubilden. Durch die Krankenhausreform, zunehmende Spezialisierung und wirtschaftlichen Druck wird es jedoch immer schwieriger, das gesamte notwendige Spektrum der Weiterbildung an einem Standort zu vermitteln.“
Dr. Beermann forderte deshalb eine stärkere Orientierung an tatsächlich erworbenen Kompetenzen statt an Weiterbildungszeiten. Zudem müsse die Finanzierung der Weiterbildung verbessert und die Qualität der Weiterbildungsstätten stärker in den Blick genommen werden. Die Ärztekammern müssten gemeinsam mit den anderen Landesärztekammern neue Konzepte entwickeln, damit auch künftig eine hochwertige Facharztweiterbildung gewährleistet werden könne.
Familie und Beruf besser vereinbaren
Die beiden MB-Spitzenkandidatinnen Mariza Oliveira Galvao (Trier) und Dr. med. Sonja Dörr (Rheinhessen) warben abschließend beim Kandidatentreffen für bessere Rahmenbedingungen, damit sich der Arztberuf und das Familienleben künftig leichter vereinbaren lassen.
Beide Ärztinnen berichteten aus eigener Erfahrung, dass der berufliche Werdegang häufig an familiäre Anforderungen angepasst werden müsse – mit Auswirkungen auf Weiterbildung, Karriere und persönliches Leben. Erforderlich seien flexiblere Arbeitszeitmodelle, mehr Teilzeit- und Jobsharing-Angebote sowie ein Umdenken in den Kliniken.
Auch digitale Formate und familienfreundliche Strukturen könnten dazu beitragen, Führungsaufgaben und berufspolitisches Engagement besser mit dem Familienalltag zu verbinden.
Angesichts des stetig steigenden Anteils von Ärztinnen müsse sich diese Entwicklung auch in den Gremien der Ärztekammer besser widerspiegeln. Nur mit einer stärkeren Beteiligung von Frauen bei der Kammerwahl könne die Berufspolitik die Interessen der Ärzteschaft künftig umfassend vertreten.
Ein starker Marburger Bund. Eine starke Ärztekammer.
