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  • Gesunde Balance zwischen Berufs- und Privatleben

    Teilzeitarbeit, flexible Arbeitszeitmodelle und Karrieren von Ärztinnen müssen stärker gefördert werden
    04.April 2019
    Von Dr. med. Christiane Groß M.A. und Dr. med. Lydia Berendes
    Immer mehr angestellte Ärztinnen und Ärzte wünschen sich eine bessere Vereinbarkeit des Berufs- und Familienlebens – das haben Umfragen des Marburger Bundes ergeben. Es ist sehr erfreulich, dass junge, hoch qualifizierte Ärztinnen und Ärzte sich nicht mehr zwischen Kindern und Karriere entscheiden wollen, sondern nach geeigneten Wegen suchen, um beide Lebenswelten gut miteinander zu verbinden.

    Der Marburger Bund unterstützt Ärztinnen und Ärzte. Die Nachfrage nach familienfreundlichen Arbeitszeiten und Teilzeitstellen ist bei beiden Geschlechtern sehr hoch. Elternzeit und Anbindung an das Krankenhaus über Fortbildung und Möglichkeit des gestaffelten Wiedereinstiegs sind essenziell für die Wertschätzung der ärztlichen Arbeitskraft. Wir wollen strukturelle Veränderungen, fordern bessere Möglichkeiten zur Teilzeitarbeit und flexiblere Arbeitszeitmodelle. Familienfreundliche Strukturen bedeuten Planbarkeit, mehr Transparenz und Kreativität.

    Warum? Blicken wir beispielhaft auf einen täglichen Kampf junger Ärztinnen und Ärzte mit Kindern gegen die Zeit. Wer kennt das nicht?

      6:30h     Pausenbrote schmieren, sind alle Schulsachen eingepackt?

      7:30h     als Erstes in den Kindergarten

      7:45h     schnell in die Klinik

    15:30h     Personalratssitzung

    16:30h     Schließzeit des Kindergartens

    17:00h     Shuttle zur Ballettschule und Einkaufen

    19:00h     Kochen, gemeinsames Abendessen?

    20:00h     Hausaufgaben-Kontrolle, Kinder ins Bett bringen

    21:00h     Chaos-Begrenzung im Haushalt

    22:00h     Laptop aufklappen…

    Für viele junge Ärztinnen und Ärzte ist das ein ganz normaler Wochentag. Eine Familie gründen zu können, die neben dem Arztalltag nötige Zeit für die Kinder und den Partner zu haben, das ist kein unerhörter Luxus, sondern ein wesentliches Bedürfnis der meisten Menschen. Ein Fakt, der auch die Berufswahl beeinflusst. Attraktive Arbeitsbedingungen für Frauen und Männer zu schaffen, stellt eine unumgängliche Anpassung an gesellschaftliche Entwicklungen dar. Um es klar zu sagen: Es ist der einzige Weg, auf dem auch Kliniken fachlich qualifiziertes Personal heute noch gewinnen können.

    Neben strukturellen Änderungen in Kliniken müssen aber auch die Rahmenbedingungen geändert werden: Wir brauchen flexiblere Betreuungszeiten für Kinder. Eine Kita, die flexible Betreuungszeiten zwischen 6 und 23 Uhr anbietet, ist ein hervorragendes Beispiel für Familienfreundlichkeit. Es bedarf noch wegweisender Initiativen. Impulse kommen oft von Ärztinnen und Ärzten. Es ist ein wesentliches Anliegen des Marburger Bundes, diesen Wunsch nach Familienzeit – sei es für die eigenen Kinder oder für zu betreuende Angehörige – zu fördern.

    Neben der verbesserten Familienfreundlichkeit in Kliniken müssen Frauen auch unabhängig von ihrem familiären Stand stärker gefördert werden. Nicht nur, weil derzeit gerade Ärztemangel besteht, und wir uns eine Nichtförderung von Frauen derzeit nicht leisten können, sondern weil es selbstverständlich ist, berufliche Kompetenz geschlechterunabhängig zu fördern.