„Mit dem Preis möchten wir vertrauenswürdige Quellen für Gesundheitsinformationen auf Social Media fördern und Standards für guten Social Media-Inhalt in der Bevölkerung bekannt machen. Bürger sollen so besser unterscheiden können, was seriöse und nicht seriöse Inhalte dort sind“, hob der westfälisch-lippische Kammerpräsident Dr. med. Hans-Albert Gehle hervor. „Verlässliche und fundierte Informationen tragen wesentlich zur Stärkung der Gesundheitskompetenz bei. Falschinformationen können dagegen verunsichern, Ängste verstärken oder sogar dazu führen, dass notwendige medizinische Hilfe zu spät in Anspruch genommen wird“, warnt Dr. Gehle.
Vor allem junge Menschen kommen mit entsprechenden Themen und Inhalten in Berührung. „Sie besorgen sich hierüber vermeintlich medizinisches Wissen“, sagt Sven Dreyer. Dass dies gefährlich sein kann, zeigt ein exemplarischer Fall: „Geimpfte Kinder leiden 14 Mal häufiger als nicht geimpfte Kinder unter neurologischen Erkrankungen und lebenslangen Allergien.“ Diese Aussage wird in einem Instagram-Video verbreitet, das gut 300.000 Nutzer gesehen haben und das über 10.000 Mal geteilt wurde. „Diese Aussage ist falsch – aber sie erreicht hunderttausende Menschen und zeigt damit, wie schnell sich Desinformationen über Soziale Medien verbreiten."
„Solange wir keine EU-weiten Transparenzpflichten, Qualitätssiegel und keine ausreichenden Kontrollen auf den Social-Media-Plattformen haben, müssen wir durch intensive Aufklärung vermeiden, dass Bürgerinnen und Bürger durch gesundheitliche Falschinformationen Schaden nehmen oder auf Fake-Accounts hereinfallen“, betont Dr. Dreyer.
„Wir haben uns für die Ausschreibung eines Medfluencer-Preises entschieden, weil wir sehen, dass sich immer mehr Menschen über die Sozialen Medien zu Gesundheitsthemen informieren. Wir sehen in dieser Entwicklung Chancen und Risiken zugleich“, begründet der Präsident Dr. Sven Dreyer, die Ausschreibung, die unter der Schirmherrschaft des NRW-Gesundheitsministers Karl-Josef Laumann steht.
„Es darf nicht sein, dass selbsternannte Gesundheitsexperten zum Beispiel hochdosierte Vitamin-Infusionen als Ersatz für eine Chemotherapie empfehlen und vermarkten und es kaum Möglichkeiten gibt, dagegen vorzugehen. Frankreich hat beispielsweise in einem Gesetz verboten, dass Influencer Methoden bewerben, die dazu aufrufen, eine herkömmliche medizinische Behandlung abzubrechen oder zu unterlassen. In diese Richtung sollten wir auch denken“, empfahl der nordrheinische Kammerpräsident. „Wir fordern die Bundesregierung auf, sich auf der EU-Ebene stark für einheitliche Offenlegungs- und Transparenzpflichten der fachlichen Qualifikation von Medfluencern und deren kommerziellen Interessen zu machen.“
Die Bewerbungsphase läuft seit dem 30. April 2026 und endet am Freitag, den 10. Juli 2026. Bewerbungen können über einen Anmeldebogen (https://www.aekno.de/presse/medfluencerpreis) elektronisch eingereicht werden.
Über die Vergabe des Preises entscheidet die Jury bis zum 2. September 2026. Der Jury gehören neben den beiden Kammerpräsidenten auch Meral Thoms, MdL, Sprecherin für Gesundheitspolitik Bündnis 90/ Die Grünen, Dr. Heinz-Wilhelm Esser (Doc Esser), Facharzt für Innere Medizin, Pneumologie und Kardiologie, Dr. Nibras Naami (handfussmund), Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin und Stephanie Weltmann (WAZ) an.
