Dem Streifzug durch die gut erhaltenen mittelalterlichen Befestigungsanlagen am Niederrhein folgten die Begrüßung durch den Kammerpräsidenten Dr. med. Sven Dreyer und ein intensiver Rückblick auf das Dialogforum im Vorfeld des 130. Deutschen Ärztetages in Hannover.
Junge Ärztinnen und Ärzte waren hierzu eingeladen worden, um deren Erwartungen und Mitwirkungsmöglichkeiten in der ärztlichen Selbstverwaltung auszuloten.
„Ärztekammern leben vom persönlichen Engagement ihrer Kammermitglieder“, betonte Andrej Weissenberger, ein junger Arzt in Weiterbildung, der bereits Mitglied in der Fraktion des Marburger Bundes ist. Weissenberger hatte beim Dialogforum in Hannover ein viel beachtetes Grundsatzreferat gehalten. „Unsere Ärztekammern stehen vor dem Generationenwandel. Da zählt das Mitmachen und nicht nur das Zuschauen!“, warb Weissenberger.
Beim Rückblick auf den 130. Deutschen Ärztetag dominierte das Themenfeld der ärztlichen Weiterbildung. Sie wurde nach erklärenden Vorträgen und einer achtstündigen intensiven Debatte weiterentwickelt. „Beim Deutschen Ärztetag in Hannover fielen zukunftsweisende Entscheidungen zur Weiterentwicklung der ärztlichen Weiterbildung“, erläuterte MB-Fraktionsmitglied Prof. Dr. med. Hansjörg Heep.
„Mit diesen Beschlüssen entwickeln wir die ärztliche Weiterbildung gezielt weiter. Wir schärfen die Bildungssystematik, verschlanken die Weiterbildungsordnung, richten sie auf die Herausforderungen der Zukunft aus und vereinfachen gleichzeitig die Verwaltungsprozesse in den Ärztekammern spürbar“, erläuterte Prof. Heep weiter. Er ist Vorstandsmitglied in der Ärztekammer Nordrhein und Vorsitzender des AEKNO-Weiterbildungsausschusses.
Diskutiert wurde ferner intensiv, dass beim Deutschen Ärztetag fünf Medizinstudentinnen von männlichen Delegierten sexuell belästigt und bedrängt wurden. Fünf Ärztinnen berichteten seinerzeit von körperlichen Übergriffen, anzüglichen Kommentaren zu ihrem Aussehen und ungewollten Einladungen auf Hotelzimmer. Die Vorfälle lösten vor Ort und darüber hinaus eine Welle der Empörung und eine intensive Debatte über Machtmissbrauch in der Medizin aus.
Nach den Schilderungen der Opfer und den zuvor durchgeführten Umfragen des Marburger Bundes sind derartige Übergriffe im Klinikalltag und im ärztlichen Berufsleben keine Einzelfälle, sondern oftmals leider systemisch in der strengen Hierarchie der Medizin verankert.
Als direkte Konsequenz aus den Ereignissen in Hannover kündigte die Bundesärztekammer zwischenzeitlich an, an verbindlichen Compliance-Vorgaben, Awareness-Konzepten für Großveranstaltungen und anonymen Meldestellen zu arbeiten, um Betroffenen künftig niedrigschwellige Anlaufstellen zu bieten, berichtete Dr. med. Sven Dreyer.
Ein zentrales Thema war schließlich die Frage, welche Themen möchte der Marburger Bund in der noch bis zum Jahr 2029 laufenden Amtsperiode thematisieren? Schwerpunkte in den Debatten mehrere Arbeitsgruppen waren u.a. die Weiterentwicklung der Weiterbildung unter den Auswirkungen der neuen Klinikplanung in NRW und der Berliner Klinikreform, die Evaluation der Weiterbildung, die Digitalisierung, die Krankenhausfinanzierung, die nötigen Investitionen in eine bessere Resilienz, der strukturelle Machtmissbrauch, die Qualitätskontrolle, Serviceverbesserungen und Entbürokratisierung.
