Katholische Kliniken verlieren an Attraktivität als Arbeitgeber

Erfolgreiche Mitgestaltung ist nur in der evangelischen Kirche möglich
13.August 2026
Von Bernd Libeaux und Dr. med. Karlheinz Kurfess
Die Arbeitsbedingungen für Ärztinnen und Ärzte an katholischen Krankenhäusern sind seit Jahren ein grundlegendes Ärgernis. Mit der Abkopplung vom Tarifrecht des öffentlichen Dienstes Mitte der 1990er-Jahre werden die Arbeitsbedingungen durch die Arbeitsrechtliche Kommission des Deutschen Caritasverbandes festgelegt – ohne echte Tarifverhandlungen. Die Verlierer sind die Beschäftigten.
Durch ihr gnadenloses Spardiktat verlieren katholische Kliniken an Attraktivität als Arbeitgeber, beklagen Bernd Libeaux und Dr. med. Karlheinz Kurfeß.
Durch ihr gnadenloses Spardiktat verlieren katholische Kliniken an Attraktivität als Arbeitgeber, beklagen Bernd Libeaux und Dr. med. Karlheinz Kurfeß.

Zwar verhindert der Arbeitsmarkt eine vollständige Abkehr von den allgemeinen Tarifstandards, doch werden Tarifabschlüsse häufig nur verspätet, unvollständig oder gar nicht übernommen. Statt dauerhafter Gehaltserhöhungen gibt es teilweise Einmalzahlungen, regionale Kommissionen weichen nach unten ab und auch bei der Altersversorgung bestehen Nachteile.

Bei unseren Mitgliedern wirkt sich dies besonders gravierend aus, denn die Caritas setzt gnadenlos auf Sparkurs. Dabei kündigte die Caritas vor zehn Jahren an, die Gewerkschaften stärker an der Gestaltung des kirchlichen Arbeitsrechts zu beteiligen. Tatsächlich blieb es bei der Ankündigung. Statt die Wettbewerbsfähigkeit ihrer Kliniken zu stärken, verschlechtert die Caritas mit ihrer Personalpolitik die Attraktivität als Arbeitgeber zusätzlich.

Ohne Streikrecht und ohne echte Tarifverhandlungen lassen sich die berechtigten Interessen unserer Kolleginnen und Kollegen nicht wirksam durchsetzen. Deshalb ist eine Mitarbeit des Marburger Bundes in den Arbeitsrechtlichen Kommissionen der Caritas nicht sinnvoll.

In der Diakonie können wir das aktuelle Tarifniveau durchsetzen!

Anders ist die Situation in der evangelischen Kirche. So gelingt es seit vielen Jahren, in den Arbeitsrechtlichen Kommissionen der Diakonie Vergütungen und Arbeitsbedingungen durchzusetzen, die unseren Tarifabschlüssen entsprechen. Die Arbeitsbedingungen an evangelischen Kliniken orientieren sich damit an den Standards, die wir auch in regulären Tarifverhandlungen erreichen. Unsere juristische und tarifpolitische Expertise ist dort inzwischen unverzichtbar.

Obwohl wir den „Dritten Weg“ grundsätzlich kritisch sehen, ist er im evangelischen Bereich derzeit der einzige praktikable Weg, die Interessen unserer zahlreichen Mitglieder erfolgreich zu vertreten. Solange dort Ergebnisse erzielt werden, die tarifvertraglichen Standards entsprechen oder diese sogar übertreffen, werden wir diesen Weg weiter mitgehen.

In den Arbeitsrechtlichen Kommissionen der Caritas arbeiten wir dagegen nicht mehr mit. Unser Ziel ist es, die Arbeitsbedingungen der dort beschäftigten Ärztinnen und Ärzte künftig durch Tarifverträge zu regeln. Wir fordern die katholischen Arbeitgeber auf, die finanziellen Lücken zu unseren Tarifstandards zu schließen und die Gehälter und Arbeitsbedingungen der Ärzteschaft auf dem Weg echter Tarifverhandlungen weiterzuentwickeln.

Dafür müssen wir in den Kliniken starke gewerkschaftliche Strukturen aufbauen und – wenn erforderlich – unsere berechtigten Forderungen auch durch einen Arbeitskampf durchsetzen. Ärztinnen und Ärzte dürfen sich nicht länger mit Gehältern und Arbeitsbedingungen zufriedengeben müssen, die deutlich hinter den tariflichen Standards zurückbleiben.

Stärken Sie den Marburger Bund mit Ihrer Stimme.

Gemeinsam setzen wir uns für faire Tarifverträge, gute Arbeitsbedingungen und eine starke ärztliche Interessenvertretung ein. Stärken Sie deshalb auch unsere Arbeit in den Ärztekammern mit Ihrer Stimme für den Marburger Bund. Ein starker Marburger Bund. Eine starke Ärztekammer.