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  • Leichenschau - zu wenige Stichproben

    Ärztekammer Westfalen-Lippe
    31.Oktober 2018
    Münster
    Zu wenige Stichproben bei der LeichenschauAnlässlich des neuerlichen Gerichtsprozesses gegen den ehemaligen Krankenpfleger Niels Högel, der mutmaßlich über 100 Patienten getötet hat und bereits wegen Mordes an sechs Patienten verurteilt worden ist, spricht sich die Ärztekammer Westfalen-Lippe (ÄKWL) für ein verbessertes Qualitätsmanagement bei der Leichenschau und der Todesfeststellung aus.

    „Wir brauchen ein stärker fachmedizinisch unterlegtes Verfahren zur Todesfeststellung“, fordert ÄKWL-Präsident Dr. Theodor Windhorst. Dabei sollten Fachärzte für Rechtsmedizin und Fachärzte für Pathologie, zumindest stichprobenartig, einbezogen werden. Derzeit sei die Zahl der durchgeführten Obduktionen zu niedrig. Dr. Windhorst plädiert zudem für eine höhere „Obduktions-Quote“: „Wenn wenigstens per Zufallsstichprobe 15 bis 20 Prozent der Verstorbenen für eine Obduktion ausgewählt würden, stiege nicht nur die Wahrscheinlichkeit, dass unnatürliche Todesursachen entdeckt werden.

    Eine gesicherte Aussage über die Todesursache würde auch die Patientensicherheit stärken.“ Man müsse sich frühzeitig um die Untersuchung der Todesart kümmern, denn die steigende Tendenz zur Feuerbestattung mache spätere Untersuchungen unmöglich. Auch gelte es, bessere Rahmenbedingungen für die ärztliche Leichenschau zu schaffen und Ärztinnen und Ärzte bei dieser Aufgabe zu unterstützen. Gegebenenfalls müsse darüber nachgedacht werden, die Qualität der Leichenschau durch die Einrichtung eines amtlichen Leichenbeschauers mit definierter Qualifikation zu fördern.

    Schon vor einigen Jahren hat die ÄKWL im Rahmen des Gesetzgebungsverfahrens zur Änderung des Bestattungsgesetzes in Nordrhein-Westfalen auf die bestehenden Probleme der ärztlichen Leichenschau hingewiesen. Problematisch seien insbesondere Anforderungen wie die unverzügliche Untersuchung der unbekleideten Leiche vor Ort sowie die Ermittlung von Todesart und Todesursache.

    Die ÄKWL setzte sich bereits damals dafür ein, die Qualität der äußeren Leichenschau sowie die daraus abgeleiteten Erkenntnisse zur Todesursachenstatistik und Kriminalitätsbekämpfung zu verbessern. Windhorst dazu: „Das Problem bei der Leichenschau ist nicht das übersehene Messer im Rücken. Das Problem sind die methodisch bedingten Unzulänglichkeiten durch die Verbindung von Todesfeststellung und Leichenschau mit der Erwartung, valide Angaben zur Todesursache machen zu können.“