Mit Fakten gegen Fakenews und Gesundheitsmythen

Ärztekammern Nordrhein und Westfalen-Lippe zeichnen drei vorbildliche „Medfluencer“ aus
15.September 2026
Wer die sozialen Medien verfolgt, ist mitunter erschüttert, wie erfolgreich sog. Influencer dort mittlerweile Gesundheitsthemen präsentieren. Die Inhalte ihrer häufig skandalisierten Beiträge enthalten nicht selten gefährliche Aussagen und sind vielfach weder wissenschaftlich noch medizinisch belegt. Seriosität? Fehlanzeige. Stattdessen geht es häufig um schnelle Aufmerksamkeit und möglichst viele „Klicks“, die lukrative Einnahmen versprechen. „Es ist höchste Zeit, dass wir Ärzte und Medizinstudenten mit wissenschaftsbasierten und verständlichen Informationen in den sozialen Medien gegensteuern“, mahnen Dr. med. Sven Dreyer und Dr. med. Hans-Albert Gehle, die beiden Präsidenten der Ärztekammern Nordrhein und Westfalen-Lippe. „Daher zeichnen wir heute erstmals drei hervorragende Medfluencer aus.“ Sie seien Beispiele, die Mut machten und dazu beitrügen, die Gesundheitskompetenz der Bevölkerung zu stärken.
Medfluencer Preis 2026: Dr. med. Sven Dreyer (lks.), Dr. med. Hans-Albert Gehle (2.v.re.) und Dr. med. Arndt Berson (re.) zeichneten die drei Preisträger aus: David Rekers, Meret Leuthäuser, Fatih Çalişkan
Medfluencer Preis 2026: Dr. med. Sven Dreyer (lks.), Dr. med. Hans-Albert Gehle (2.v.re.) und Dr. med. Arndt Berson (re.) zeichneten die drei Preisträger aus: David Rekers, Meret Leuthäuser, Fatih Çalişkan

Insgesamt 35 Kandidaten hatten sich für den erstmals ausgelobten „Medfluencer-Preis 2026“ beworben, 13 schafften es in die engere Auswahl. In der Kategorie „Arzt“ wurde ein Preisträger ausgezeichnet, in der Kategorie „Medizinstudierende“ gingen zwei Preise an eine Preisträgerin und einen Preisträger.

Als Arzt wurde David Reckers (@der.hausarzt1) ausgezeichnet. Er arbeitet in der hausärztlichen Praxis seines Vaters in Troisdorf-Sieglar. Die Jury würdigte seinen erklärenden Film über die Wirkweise der sogenannten „Abnehmspritze“.

Bei den Medizinstudierenden wurde Meret Leuthäuser (@meeret) für ihren Kurzfilm „Was bei einer Narkose wirklich passiert“ geehrt. Darin erklärt sie medizinische Zusammenhänge anschaulich und verständlich.

Der dritte Preisträger, Fatih Çalişkan (@fakten_auf_rezept), erhielt die Auszeichnung für seinen Film „Venen abgedrückt? Virales Video erklärt“. Sein Beitrag richtet sich ausdrücklich gegen unseriöse medizinische Inhalte in den sozialen Medien und macht auf die damit verbundenen Gefahren für die Zuschauer aufmerksam.

Wie wichtig solche Aufklärung ist, verdeutlichte Dr. Sven Dreyer anhand eines aktuellen Beispiels: „Seriöse Medfluencer bilden zum Beispiel das Gegengewicht zu einer angeblichen Studie aus Südkorea, wonach die Covid-Impfung angeblich mit einem erhöhten Krebsrisiko in Zusammenhang stehen soll. Doch obwohl die Ergebnisse bereits in der wissenschaftlichen Veröffentlichung kritisch eingeordnet worden sind, bleibt die reißerische Behauptung, dass Covid-Impfungen Krebs verursachen könnten.“

Dr. med. Hans-Albert Gehle ergänzte: „Kennen Sie das, liebe ärztliche Kollegen, wenn Sie ein Video sehen, in dem irgendein selbsternannter Life-Coach erklärt, dass geimpfte Kinder, eben weil sie geimpft wurden, nun an ADHS oder Autoimmunerkrankungen leiden? Ich weiß nicht, wie es Ihnen mit so etwas geht – wenn ich das sehe, werde ich über solche Verantwortungslosigkeit, die viele Kinder das Leben kosten kann, einfach richtig wütend.“

Fatih Çalişkan habe diese Kritik in besonderer Weise aufgegriffen, betonte Gehle: „Er hat sich gesagt: Ich will das so einfach nicht stehen lassen. Und er arbeitet als seriöser Medfluencer daran, diese Falschinformationen als das zu benennen, was sie sind, und ihnen Zahlen, Daten und Fakten entgegenzuhalten, die die realen Gegebenheiten deutlich machen.“

Das sei nicht immer einfach, erklärte Gehle weiter: „Auch wenn das sicherlich anstrengend ist und einige sich schlichtweg nicht von medizinischen Fakten überzeugen lassen wollen. Herr Çalişkan macht es trotzdem: unaufgeregt, klar strukturiert und sachlich.“

Çalişkan ist mittlerweile approbierter Arzt und arbeitet am Institut für Pathologie des Universitätsklinikums Düsseldorf. Zum Zeitpunkt seiner Bewerbung für den Medfluencer-Preis war er noch Medizinstudent.

„Seriöse Medfluencer mit echtem medizinischem Hintergrund und Fachwissen helfen, Falschaussagen zu entlarven und gleichzeitig authentisches Wissen zum Thema Gesundheit zu vermitteln: ohne Panikmache, ohne leere Versprechungen und mit dem klaren Ansatz, die Follower – genauso wie im realen Verhältnis von Arzt zu Patient – zu unterstützen und ihre Gesundheit bestmöglich zu fördern“, stellt Dr. Sven Dreyer klar.

Medfluencing ist allerdings mit erheblichem Aufwand verbunden. Die Beiträge entstehen zusätzlich zur eigentlichen beruflichen Tätigkeit. Themen müssen recherchiert, aufbereitet und verständlich vermittelt werden. Hinzu kommen der Austausch mit Kollegen, die Vernetzung in den sozialen Medien und die kontinuierliche Beschäftigung mit aktuellen Studien und neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen.

Wer seriöses Medfluencing betreibt, übernimmt damit eine besondere Verantwortung. Mit ihrem Engagement leisten die Preisträger einen wichtigen Beitrag dazu, medizinisches Wissen verständlich zu vermitteln, Falschinformationen entgegenzutreten und die Gesundheitskompetenz der Bevölkerung zu stärken.