• „Seit fast zwei Jahrzehnten rufen wir nun nach mehr Studienplätzen.“

    ÄKWL-Vorstand fordert 6.000 neue Medizin-Studienplätze
    28.August 2025
    In den Krankenhäusern und Praxen herrscht ein eklatanter Mangel an ärztlichen Fachkräften, der aus Sicht der Ärztekammer Westfalen-Lippe (ÄKWL) immer stärker die Patientenversorgung gefährdet. Gründe dafür sieht die Kammer jedoch nicht vorrangig in zu langwierigen Gleichwertigkeitsprüfungen von ausländischen Medizin-Abschlüssen oder zu schwierigen Fachsprachen- und Kenntnisprüfungen, für die die Kammer zuständig ist. Der Vorstand der ÄKWL fordert erneut, die seit der Wiedervereinigung gestrichenen ca. 6.000 Studienplätze für Humanmedizin umgehend wieder einzurichten. Zum damaligen Zeitpunkt habe es in Deutschland 15.000 Studienplätze für Medizin gegeben, jetzt seien es noch knapp 10.000. „An Bewerberinnen und Bewerbern mangele es nicht“, betont ÄKWL-Präsident Dr. med. Hans-Albert Gehle: „Potentielle Nachwuchskräfte stehen genug in den Startlöchern.“
    Kammerpräsident Dr. med. Hans Gehle erneut den Aufruf, denn bisher wurden die jahrelangen Forderungen nach mehr Studienplätze von der Politik weitgehend  überhört.
    Kammerpräsident Dr. med. Hans Gehle erneut den Aufruf, denn bisher wurden die jahrelangen Forderungen nach mehr Studienplätze von der Politik weitgehend überhört.

    „Seit fast zwei Jahrzehnten rufen wir nun nach mehr Studienplätzen. Die Lage ist ernster denn je.“ Sowohl im Bereich der Niederlassung als auch in den Krankenhäusern fehlten Ärztinnen und Ärzte in der Patientenversorgung, was auch negative Auswirkungen auf die ärztliche Weiterbildung zum Haus- oder Facharzt habe. Entsprechende Arztsitze könnten nicht nachbesetzt werden, mahnt Gehle.

    Es dürfe auch nicht weiterhin sein, dass Ärztinnen und Ärzte aus dem Ausland abgeworben werden, um die Versorgung von Patientinnen und Patienten hierzulande aufrecht erhalten zu können. Diese würden dann natürlich in ihren Herkunftsländern fehlen, wobei manche Länder sich bereits gegen dieses Ausbluten durch den `brain drain` wehrten. Zumal auch die Anerkennung der ausländischen Abschlüsse insbesondere aus Nicht-EU-Staaten durch die Bezirksregierung eine gewisse Zeit der Prüfung in Anspruch nehme. Auch deshalb blieben Arztsitze oder Arztstellen weiter unbesetzt.

    Gegen den Vorwurf, die ÄKWL hemme den Zugang von ausländischen Ärztinnen und Ärzten durch zu hohe Hürden bei den vorgeschriebenen Fachsprachen- oder Kenntnisprüfungen, wehrt sich der Kammerpräsident und verweist auf die Statistik: Termine für Kenntnisprüfungen sind im Regelfall innerhalb von sechs Wochen, in Einzelfällen auf Wunsch auch innerhalb von drei Wochen möglich. In den zurückliegenden Jahren hat jeder zweite Prüfling die Kenntnisprüfung auf Anhieb im ersten Versuch geschafft.

    Für die andere Hälfte ist ein weiterer, gegebenenfalls auch ein dritter Versuch notwendig, um die von Rechts wegen geforderten Kenntnisse und Fähigkeiten, die zur Ausübung des ärztlichen Berufs erforderlich sind, unter Beweis zu stellen. 2024 haben lediglich sechs Prüfungskandidatinnen und -kandidaten dieses Prüfungsziel in Nordrhein-Westfalen nicht erreicht.

    „Für 95 Prozent der Ärztinnen und Ärzte mit einem in einem Drittstaat erworbenen Examen stellt sich also nach einem der möglichen Prüfungsversuche der Erfolg ein“, so Gehle abschließend.