Diese Website nutzt Cookies, um mehr über das Nutzungsverhalten der Besucherinnen und Besucher zu erfahren und das Internetangebot beständig zu verbessern. Die Daten werden anonymisiert. Sie können diese statistische Erhebung deaktivieren. Mehr Informationen finden Sie in unserer .
ok
  • Spitzenmedizin gibt es nicht zum Spartarif

    Wissenschaft und Lehre dürfen nicht ­abgekoppelt werden
    07.März 2019
    Von Prof. Dr. med. Michael Koldehoff,
    Dr. med. Dagmar Hertel und
    Dr. med. Thorsten Hornung
    Patienten mit komplexen Erkrankungen erhalten an unseren Unikliniken die denkbar intensivste und fortschrittlichste medizinische Behandlung. Medizinische Forschung, Wissenschaft und Lehre hat in NRW ein sehr gutes Renommee. Kein Bundesland hat so viele Unikliniken wie wir. Alleine an den Universitätskliniken Aachen, Bonn, Essen, Düsseldorf und Köln arbeiten über 5.000 Ärztinnen und Ärzte. Damit ist gut jeder fünfte angestellte oder beamtete Arzt im Bereich unserer Ärztekammer in der Hochleistungsmedizin beschäftigt. Die Politik verkennt die Bedeutung der Unikliniken

    Unikliniken haben eine besondere Rolle: Sie sind für die Sicherung der guten medizinischen Versorgung unverzichtbar. Ärztinnen und Ärzte an Unikliniken behandeln schwierige und komplizierte Fälle, die oft nur noch dort versorgt werden können. Die Unikliniken sind Leuchttürme der medizinischen Entwicklung. Vor allem sie gewährleisten, dass die breite Bevölkerung zukünftig am medizinischen Fortschritt teilhaben kann. Unikliniken sind zudem für die Ausbildung des medizinischen Nachwuchses zuständig.

    Gleichwohl wurde diese außergewöhnliche Bedeutung der Unikliniken in der Krankenhauslandschaft von Politik und Arbeitgebern lange verkannt. Für ihre zusätzlichen Aufgaben fehlen den Unikliniken ausreichende Finanzen. Sie sind chronisch unterfinanziert. Unikliniken schreiben in aller Regel Defizite. Oft haben wir die Politik ermahnt, ihrer Verantwortung gerecht zu werden. Mit ersten Erfolgen: Seit 2016 investiert die Landesregierung immerhin 2,2 Milliarden Euro in die sechs Unikliniken. Anerkannte Spitzenmedizin hat ihren Preis.

    Die oftmals schlechte wirtschaftliche Situation der Hochschulmedizin hat drei Hauptursachen: Die Kosten für Personal, Medikamente und Energie steigen deutlich stärker als die von den Kassen gezahlten Entgelte. Die Investitionen der Länder gingen seit Jahren zurück und die Sonderrolle der Unikliniken für das Gesundheitswesen wird in der Klinikfinanzierung nicht ausreichend berücksichtigt. Obendrein finden Forschung und Lehre zumeist in der Freizeit statt. Selten wird diese ärztliche Arbeit vergütet.

    Zur Erinnerung: An den Unikliniken keimte 2005 der Protest gegen drohende massive Gehaltsverluste durch den TVöD, den andere über unsere Köpfe hinweg aushandeln wollten. Wir erkämpften gemeinsam trotz massiven Widerstandes den ersten Tarifvertrag für Ärzte in Deutschland. Dabei erlebten wir einzigartige Solidarität und beispielhaftes Engagement.

    In jüngster Zeit haben sich die ärztlichen Arbeitsbedingungen an den Unikliniken verschlechtert, berichten uns Landespersonalräte. Dabei gibt es gute Beispiele, wie gemeinsam mit den Kolleginnen und Kollegen vor Ort attraktive Arbeitszeitmodelle entwickelt werden können. Vereinbarkeit von Familie und Beruf muss auch in der Spitzenmedizin kein Fremdwort bleiben. Konterkariert werden leider diese Bemühungen, wenn versucht wird, die Ressource „Arzt“ ökonomisch zu optimieren.

    Wir wissen nur zu gut, bei der Suche nach Ärztinnen und Ärzten auf dem Arbeitsmarkt kann nur diejenige Klinik gewinnen, die attraktive Arbeitsbedingungen, faire Gehälter sowie bezahlte Überstunden anbietet. Dafür kämpfen wir in den Tarifverhandlungen mit der Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL). Ihre Solidarität brauchen wir im Mai/Juni in der Berufspolitik, denn nur mit Ihrer Stimme bei den Kammerwahlen kann der Marburger Bund bessere Arbeitsbedingungen für Sie gestalten.

    Gemeinsam können wir mehr bewegen.