„Wir brauchen die Widerspruchslösung – kombiniert mit umfassender Aufklärung.“

Ärztekammer Westfalen-Lippe bekräftigt Forderung zur Widerspruchslösung
27.Juni 2026
Tag für Tag sterben hierzulande mehrere Menschen, weil sie kein lebensrettendes Organ rechtzeitig transplantiert bekamen. Der Fall der norwegischen Kronprinzessin Mette-Marit hat aktuell die Organspende wieder in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. „Die Patientin mit Lungenfibrose erhielt nach kurzer Wartezeit eine Spenderlunge – nicht wegen eines „Prinzessinnen-Bonus“, sondern weil in Norwegen deutlich mehr Spenderorgane zur Verfügung stehen als in Deutschland. Ein Grund dafür ist die dort geltende Widerspruchslösung. Wer zu Lebzeiten nicht widerspricht, gilt grundsätzlich als Organspender“, erklärt der westfälisch-lippische Kammerpräsident Dr.med. Hans-Albert Gehle in der Kammerversammlung.
Kammerpräsident Dr. med. Hans-Albert Gehle erneuerte für die Ärztekammer Westfalen-Lippe die Forderung der Widerspruchslösung.
Kammerpräsident Dr. med. Hans-Albert Gehle erneuerte für die Ärztekammer Westfalen-Lippe die Forderung der Widerspruchslösung.

„Für eine solche Regelung setzen wir uns als Ärztekammer Westfalen-Lippe seit vielen Jahren ein. Deutschland hingegen hält seit 1997 an der Entscheidungslösung fest. Alle Anläufe zur Einführung der Widerspruchslösung sind bislang gescheitert. Auch das inzwischen eingeführte Organspende-Register hat die Situation nicht entscheidend verbessert. Umso wichtiger ist die neue Debatte im Bundestag. Wieder liegen zwei konkurrierende Gesetzentwürfe vor – für und gegen die Widerspruchslösung. Wie die Abstimmung ausgehen wird, ist offen.“

„Wir sollten den neuen politischen Schwung nutzen. Unsere Position ist klar: Wir brauchen die Widerspruchslösung – kombiniert mit umfassender Aufklärung, einem leicht zugänglichen Organspende-Register und guten organisatorischen Strukturen in den Kliniken. Die Widerspruchslösung bedeutet keine Entmündigung. Jeder behält die Freiheit, sich gegen eine Organspende zu entscheiden. Fehlt jedoch eine dokumentierte Entscheidung, müssen Angehörige in einer Ausnahmesituation stellvertretend entscheiden – häufig gegen eine Organspende, weil sie den Willen des Betroffenen nicht kennen.“

Mehr als 8.000 Menschen warten in Deutschland auf ein Spenderorgan. Die große Mehrheit der Bevölkerung steht der Organspende positiv gegenüber. „Es ist höchste Zeit, aus dieser Bereitschaft ein wirksames und solidarisches System zu machen, das den Menschen auf den Wartelisten tatsächlich hilft“, fordert Dr. Gehle.