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  • Intensivmedizin droht personelles Desaster

    Pressemitteilung
    Michael Krakau: Alarmierende Erkenntnisse durch Umfrage von MB und DIVI
    08.März 2019
    Köln. Die Intensivmedizin steht vor einem personellen Desaster, denn der heute schon vielerorts vorhandene Mangel an Pflegefachkräften wird sich deutlich verschärfen. „In den nächsten fünf Jahren wollen 37 Prozent der Pflegekräfte auf den Intensivstationen ihren Beruf aufgeben, weil sich die Arbeitsbedingungen in der Intensivpflege massiv verschlechtert haben. 34 Prozent wollen in den nächsten beiden Jahren ihre Arbeitszeit reduzieren“, verweist Michael Krakau, 2. Vorsitzender des Marburger Bundes Nordrhein-Westfalen/Rheinland-Pfalz, auf das heute veröffentlichte Ergebnis einer Online-Umfrage unter insgesamt 2.498 Intensivpflegekräften. Die Folgen sind fatal: Immer mehr Intensivbetten müssen aus der Versorgung genommen werden.

    Die Umfrage hat der Marburger Bundes NRW/RLP gemeinsam mit der Deutschen Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DGIIN) in der Zeit vom 14. bis zum 21. Januar online durchgeführt, um für die politische Diskussion über Auswege aus der Fachkräftekrise in der Intensivmedizin über fundierte Daten zu verfügen.

    Die Ergebnisse im Einzelnen: „68 Prozent der Befragten gaben an, dass sie mit ihrem Beruf unzufrieden sind. 97 Prozent bilanzierten eine Verschlechterung ihrer Arbeitsbedingungen. Hauptgründe dafür sind die enorme Arbeitsverdichtung, die zu geringe Zeit für die pflegerischen Aufgaben, die mangelnde Wertschätzung durch Klinikträger und in der Öffentlichkeit, der hohe Zeitdruck durch schlechte Betreuungs- und Personalschlüssel und die zu geringe Bezahlung“, so Krakau.

    „Diese Gründe treiben unsere Pflegekräfte in der Intensivmedizin in die Teilzeit oder sogar ganz aus dem Beruf, das ist gut nachvollziehbar“, erläutert Michael Krakau, der Leiter der Sektion Notfall- und Internistische Intensivmedizin in der Medizinischen Klinik Holweide (Kliniken der Stadt Köln) ist.

    „94 Prozent der Befragten gaben ferner an, dass bei der intensivmedizinischen Versorgung ökonomische Interessen in den Vordergrund getreten sind und nicht mehr die medizinische Versorgung. Das 2003 eingeführte DRG-Abrechnungssystem hat dazu geführt, dass die Quantität die Qualität der erbrachten Leistungen dominiert“, erklärt Michael Krakau das Kernproblem. „Kapazitäten wurden so dort aufgebaut, wo die Vergütung am höchsten ist. Der Ausbau der Kapazitäten führte zu einer enormen Zunahme der Arbeitsbelastung.“ Eine Pflegekraft hat hierzulande drei Intensivpatienten zu betreuen. „Das genügt internationalen Qualitätsansprüchen nicht“, betont Michael Krakau weiter.

    „Die Ergebnisse unserer Umfrage belegen eine dramatische Entwicklung in den Intensivpflege, die gravierende Auswirkungen auf die medizinische Versorgung der Bevölkerung und die Kliniklandschaft haben wird. Durch den sich verschärfenden Personalmangel droht ein unstrukturierter Verlust von Intensivbetten, die für die medizinische Versorgung der Bevölkerung dringend benötigt werden“, resümiert Michael Krakau. „Die wegbrechenden Einnahmen können auch zur existentiellen Gefahr für Krankenhäuser werden.“

    Angesichts der drohenden Entwicklung werden Ärztinnen und Ärzte in der Intensivmedizin unweigerlich bei der Behandlung ihrer Patienten priorisieren müssen. „Das Versprechen der Politik, dass jeder Patient zu jeder Zeit und an jedem Ort die bestmögliche medizinische Behandlung erhält, wird angesichts des Bettenabbaus und Personalmangels in der Intensivpflege im klinischen Alltag nicht mehr zu halten sein“, warnt Michael Krakau. Die Priorisierungs-Debatte, die der verstorbene Präsident der Bundesärztekammer, Prof. Dr. Jörg-Dietrich Hoppe, im Jahr 2009 angestoßen hatte, werde wieder neu aufflammen. „Wir werden um eine Entscheidung diesmal nicht herumkommen.“

    „Wir brauchen dringend eine personelle Aufstockung und feste Betreuungsschlüssel, die zu einer Entlastung der Intensivpflegenden beitragen. Zudem werden kreative Lösungen zur besseren Vereinbarung des Berufs- und Privatlebens benötigt. Es sei unverständlich, schließt Michael Krakau, dass die nordrhein-westfälische Landesregierung die 210 Millionen Euro, die jährlich im Strukturfonds zur Verbesserung der Pflege und Digitalisierung in NRW bereitstehen, offenbar nicht nutzen will.