Klinikträger und Politiker stehen in voller Verantwortung

Pressemitteilung
Klinikschließung in Oelde | Protest gegen Reduktion zur Regionalklinik in Frankenthal
07.September 2026
Die Notwendigkeit der Veränderung der Krankenhauslandschaft steht außer Frage, gleichwohl muss eine hochwertige stationäre medizinische Versorgung der Bevölkerung auch künftig sichergestellt sein. Dieser Spagat ist eine große Herausforderung, die die Verantwortlichen tragen müssen. „Klinikschließungen und eine Reduzierung von Leistungsangeboten dürfen nicht dazu führen, dass Patienten auf eine wohnortnahe, verlässliche und qualitativ gute Versorgung verzichten müssen. Auch die Interessen der von Kündigungen bedrohten Mitarbeiter müssen berücksichtigt werden. Die Fortsetzung der Ausbildungen von Pflegekräften und Mitarbeitern sowie die ärztlichen Weiterbildungen müssen garantiert werden“, forderte der Vorsitzende des Marburger Bundes NRW/RLP, Dr. med. Hans-Albert Gehle.
Eine lange Tradion endet: 1849 wurde das Marienhospital Oelde gegründet, nun soll es zum Jahresende schließen.
Eine lange Tradion endet: 1849 wurde das Marienhospital Oelde gegründet, nun soll es zum Jahresende schließen.

„Es sind insbesondere die kleineren Krankenhäuser im ländlichen Raum, die aus finanziellen Gründen von ihren Trägern geschlossen werden oder infolge der Umsetzung der Krankenhausreform des Bundes ihr Leistungsangebot drastisch reduzieren müssen“, erklärte Dr. Gehle. Die Verantwortung für die Sicherstellung der medizinischen Versorgung liege bei den Politikern und Klinikträgern.

In Nordrhein-Westfalen betrifft dies aktuell das Marienhospital Oelde. Vor drei Tagen informierte der Träger, die Katholische Hospitalvereinigung Ostwestfalen, die rund 400 Mitarbeiter darüber, dass die 1849 gegründete Klinik zum Jahresende geschlossen werden soll. Begründet wird die Entscheidung mit einer über mehrere Jahre zunehmend schwierigen strukturellen, medizinischen und wirtschaftlichen Entwicklung.

Auch in Rheinland-Pfalz stehen Krankenhäuser vor erheblichen Veränderungen. Gesundheitsminister Clemens Hoch teilte in der vergangenen Woche mit, dass gut jedes zehnte der 80 Krankenhäuser zu einer sogenannten Regionalklinik für „Alltagsnotfälle“ weiterentwickelt werden soll. Betroffen ist unter anderem die Stadtklinik Frankenthal. Die rund 750 Mitarbeiter dort wollen gemeinsam mit ihrem Oberbürgermeister für den Erhalt des Krankenhauses kämpfen. Morgen ist deshalb ab 14 Uhr ein Protestzug durch die Frankenthaler Innenstadt geplant.

Die Bedeutung des Standorts für die regionale Versorgung zeigt sich auch an den Zahlen: Die Notfallambulanz der Stadtklinik versorgt jährlich rund 23.000 Fälle. Ob sie in ihrer heutigen Form erhalten bleibt, ist jedoch noch offen. Die Umsetzung des Krankenhausplans Rheinland-Pfalz wurde in Frankenthal zunächst vom Jahresanfang auf das Ende des Jahres 2027 verschoben.

„Es ist unverzichtbar, dass die Menschen in beiden Bundesländern eine gute medizinische Versorgung in notwendiger und erreichbarer Nähe vorfinden“, unterstreicht Dr. Gehle. „Bei allen Veränderungen tragen die Klinikträger ebenso wie die Verantwortlichen in der Kommunal- und Landespolitik Mitverantwortung für den Erhalt einer bedarfsgerechten stationären Versorgung. Wir halten es für notwendig, dass die Notfallambulanzen erhalten bleiben. Die Bürger brauchen verlässliche medizinische Strukturen und müssen wissen, wo sie künftig behandelt werden können – insbesondere in ländlichen Regionen.“

Auch die Interessen der Beschäftigten müssen nach Ansicht des Marburger Bundes stärker berücksichtigt werden. „Die Mitarbeiter dürfen nicht im Regen stehen gelassen werden. Ausbildungen müssen fortgesetzt werden können. Für Ärztinnen und Ärzte muss die Fortsetzung ihrer Weiterbildung gewährleistet sein. Wir brauchen jede Fachärztin und jeden Facharzt. Durch Klinikschließungen und die Reduzierung medizinischer Angebote dürfen die umliegenden Krankenhäuser nicht überlastet werden“, betont Dr. Gehle.

Kritisch sieht der Marburger Bund zudem die bislang ungeklärte Finanzierung der geplanten Regionalkliniken in Rheinland-Pfalz. „Für die Etablierung der Regionalkliniken fehlt noch ein tragfähiges Finanzierungskonzept. Es ist völlig unklar, wie diese Standorte dauerhaft finanziert werden sollen. Hier wäre eine auskömmliche Vorhaltefinanzierung genau der richtige Ansatz“, fordert Dr. Gehle.

Der notwendige Strukturwandel darf nicht zu einem Abbau der Versorgung führen, ohne dass gleichzeitig verlässliche und erreichbare Alternativen geschaffen werden. Klinikträger und Politik stehen deshalb gemeinsam in der Verantwortung, die medizinische Versorgung auch unter veränderten Rahmenbedingungen dauerhaft sicherzustellen.