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  • Tarifverträge in ambulanter Medizin - unsere Vision wird Realität

    Pressemitteilung
    Tarifverhandlungen für angestellte Ärztinnen und Ärzte in Praxen und MVZ werden aufgenommen
    20.März 2019
    Köln/Mainz. In der ambulanten Medizin vollzieht sich ein beispielloser Wandel: Immer mehr angestellte Ärztinnen und Ärzte wechseln auf dem Krankenhaus in eine Praxis oder ein MVZ, nicht als Selbständige, sondern als Angestellte. Bundesweit sind es bereits über 36.000 Ärztinnen und Ärzte, alleine in Rheinland-Pfalz aktuell gut 1.850 - die Zahlen steigen jährlich um zehn Prozent. Eine Anstellung im Bereich der Niederlassung hat für die Betroffenen jedoch oftmals zur Folge, dass die aus dem Tarifvertrag für Ärzte (TV-Ärzte) des Marburger Bundes gewohnten tariflichen Standards in den Krankenhäusern plötzlich in dem nicht tarifierten ambulanten Bereich nicht mehr gelten. Jeder Einzelne muss dort selber über seine Arbeitsbedingungen verhandeln. Nun beschlossen der Marburger Bund NRW/RLP und der Hausärzteverband RLP, Tarifverhandlungen für Ärztinnen und Ärzte in Praxen und MVZ aufzunehmen.

    „Wir wissen aus der täglichen Beratungspraxis des Marburger Bundes, dass die individuell vereinbarten Konditionen oft unterhalb des branchenüblichen Standards des TV-Ärzte liegen“, erklärt auf Seiten des Marburger Bundes Dr. med. Karlheinz Kurfeß. Er ist Vorsitzender der Bezirksärztekammer Koblenz und stellv. Vorsitzender der Vertreterversammlung der Kassenärztlichen Vereinigung Rheinland-Pfalz.

    Mitunter liegen die Gehälter im ambulanten Bereich unter dem Klinik-Standard und die in den Tarifverträgen übliche automatische Dynamisierungen der Gehälter fehlt gänzlich, ebenso meist konkrete Vereinbarungen zu Überstunden, Arbeitszeiten, Fortbildungsurlaub, betriebliche Altersversorgung oder zum Krankengeldzuschuss. Auch eine Überschreitung der Höchstgrenzen des Arbeitszeitgesetzes ist nur durch die „opt out“-Reglung eines Tarifvertrages möglich.

    „Es ist unser erklärtes Ziel, die Arbeitsbedingungen für angestellte Ärztinnen und Ärzte in Praxen und MVZ mit eigenen Tarifverträgen zu verbessern, damit der Wechsel aus der Klinik nicht zu Verschlechterungen führt“, betont Dr. med. Karlheinz Kurfeß. „Wir wollen Ärztinnen und Ärzten einen reibungslosen Übergang von der Klinik in die Praxen und MVZ ermöglichen. Fairness ist gerade in einer Zeit des Hausärzte-Mangels unverzichtbar. Wir meinen ferner auch, dass die Tarifverträge bei der Refinanzierung durch die Krankenkassen in Zukunft eine große Rolle spielen werden.“

    Der Marburger Bund Nordrhein-Westfalen/Rheinland-Pfalz hat deshalb mit dem Hausärzteverband Rheinland-Pfalz seit etwa eineinhalb Jahren in einer Arbeitsgruppe intensive und konstruktive Gespräche geführt. „Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Der Hausärzteverband Rheinland-Pfalz hat einen Arbeitgeberverband gegründet, der nun mit dem Marburger Bund Tarifverhandlungen aufnehmen kann und wird. Das ist bundesweit einmalig“, freut sich Dr. med. Karlheinz Kurfeß. „Wir unterschreiben heute eine gemeinsame Erklärung unserer beider Interessen.“

    „Wir haben sehr viele Hürden überwinden müssen. Ich danke insbesondere Sanitätsrat Dr. med. Hans-Dieter Grüninger und meinen Hausarztfreunden für Ihr Engagement und ihre Überzeugungsarbeit bei vielen Kolleginnen und Kollegen im niedergelassenen Bereich. Uns allen ist klar, dass die besonderen Belange der Vertragsärzte sensibel in den neuen Tarifvertrag eingearbeitet werden müssen“, versichert Dr. med. Karlheinz Kurfeß. „Unsere Vision von flächendeckenden Tarifverträgen für Ärztinnen und Ärzte im ambulanten Bereich wird heute in Mainz endlich Realität.“