Warum sagen Sie das nicht gleich?

Fortbildung
18.März 2026
In Dresden diskutieren Ärztinnen und Ärzte, wie kultursensible Kommunikation mit Patientinnen und Patienten gelingt.

Die Sonne geht unter, der Feierabendverkehr rollt durch Dresden. Während sich die Büros und Geschäfte am frühen Abend des 4. März allmählich leeren, bleibt der Seminarraum in der Geschäftsstelle des MB Sachsen in Dresden hell erleuchtet. Zehn Ärztinnen und Ärzte folgen an diesem Tag der Einladung zum Kleingruppenseminar „Warum sagen Sie das nicht gleich? – Kultursensible Kommunikation in der Patientenversorgung“.


Rund 30 Prozent der deutschen Bevölkerung haben heute einen Migrationshintergrund. Entsprechend häufig begegnen Ärztinnen und Ärzte Patientinnen und Patienten mit vielfältigen kulturellen Orientierungen. Unterschiedliche Vorstellungen von Krankheit, Therapie und Gesundheit können die Patientengespräche ebenso beeinflussen wie kulturell geprägte Scham, abweichende Auffassungen von Respekt oder andere Erwartungen an ärztliche Autorität. Wie kann Kommunikation in solchen Situationen gelingen?
 

Durch den Abend führt Dr. Saskia Metan, Koordinatorin des Klinischen Ethikkomitees am Universitätsklinikum Dresden. Die Kulturwissenschaftlerin und Ethikberaterin im Gesundheitswesen hat für den MB Sachsen seit 2023 bereits mehrere medizinethische Fortbildungen durchgeführt und rückt nun erstmals für die Mitglieder des MB Sachsen den empathischen Umgang mit kultureller Vielfalt im Gesundheitswesen in den Fokus.
 

Dr. Metan stellt verschiedene Kommunikations- und Kulturmodelle vor, darunter auch das Eisberg-Modell. Was Ärztinnen und Ärzte in den zeitlich begrenzten Sprechstunden sehen und hören – Symptome, Beschreibungen von Beschwerden oder konkrete Fragen – bildet demnach nur die Spitze des Eisbergs. Auch sichtbare kulturelle Merkmale wie Sprache, Kleidung oder Mimik gehören dazu. Der größere Teil bleibt jedoch zunächst verborgen: Werte, Glaubensvorstellungen oder Rollenverständnisse zwischen den Geschlechtern und verschiedenen Berufsgruppen. Gerade diese unsichtbaren Faktoren können entscheidend dafür sein, wie Patientinnen und Patienten Krankheit verstehen und medizinische Empfehlungen aufnehmen.
 

Anhand konkreter Fallbeispiele diskutieren die Teilnehmenden Situationen aus dem Klinik- und Praxisalltag: Patientengespräche, der Umgang mit Angehörigen in Notfällen oder kulturell geprägte Erwartungen am Lebensende von Patientinnen und Patienten. Schnell entwickelt sich eine lebendige Diskussion über mögliche Lösungswege. Diese reichen von der angepassten Ansprache und der bewussten Nutzung ärztlicher Autorität bis hin zum Einsatz professioneller Dolmetscher. Die Ärztinnen und Ärzte berichten angeregt von eigenen Erfahrungen, tauschen Perspektiven aus und überlegen gemeinsam, welche Strategien in herausfordernden Kommunikationssituationen helfen können.


Als schließlich alle Fragen beantwortet sind, ist es draußen längst dunkel. Die Teilnehmenden machen sich mit neuen Impulsen für ihre Patientengespräche auf den Heimweg. Und vielleicht auch mit einem geschärften Blick für die vielen Ebenen, die in einem Gespräch mitschwingen können – damit aus der Frage „Warum sagen Sie das nicht gleich?“ künftig öfter ein echtes Verstehen
entsteht.